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Quellenangabe: FURMAN Ben, AHOLA Tapani, 2007, Heidelberg, Twin Star – Lösungen vom anderen Stern, Teamentwicklung für mehr Erfolg und Zufriedenheit am Arbeitsplatz, Carl-Auer Verlag

In diesem kleinen Buch beschreiben die beiden Finnen acht Faktoren, die bestimmend sind für das Betriebsklima. In der Einleitung empfehlen sie, dass dieses Buch seinen besonderen Wert bekommt, wenn die Mitglieder eines Teams gemeinsam lesen und darüber in der Gruppe diskutieren. Für mich als Trainer liefert dieses Buch neben den inhaltlichen Impulsen viele konkrete Aufgabenstellungen für mögliche Gruppenarbeiten.

Einer der acht Faktoren ist Wertschätzung. Wertschätzung bedeutet, dem anderen zu sagen, dass er wichtig ist und dass seine Arbeit geschätzt wird. [S.25] Im Kapitel zum Thema Wertschätzung gehen die beiden Autoren unter anderem den Fragen „Wessen Wertschätzung hätten Sie gerne für Ihre Arbeit?“ und „Durch welche Art positiver Rückmeldung fühlt sich jemand anerkannt?“ nach; auch der Frage „Können Sie positive Rückmeldung akzeptieren?“

In der europäischen Kultur hat man früher zwar über jeden die Stirne gerunzelt, der sich über positives Feedback herzlich gefreut hat, doch heutzutage hört man immer häufiger, wie man sich für die Komplimente anderer bedankt [S.30]

[…] Im Allgemeinen gibt es drei Arten, positive Rückmeldungen zu akzeptieren. Man kann sich erstens bildlich weigern, das Lob anzunehmen:
„Sie sind wirklich Spitze.“ – „Nein, bin ich nicht. Sie sind viel besser als ich.“

Man kann zweitens das Lob mit Dankesworten annehmen. „Sie sind wirklich Spitze.“ – „Danke sehr! Schön zu hören, dass Sie das so sehen.“

Man kann drittens – und das ist besonders empfehlenswert -, das Lob annehmen und es in allgemeinen Worten zurückgeben:
„Sie sind wirklich Spitze.“ – „Danke sehr! Schön zu hören, dass Sie das so sagen. Wissen Sie, es ist nicht schwer, Spitze zu sein, wo alle hier so hilfsbereit sind.“

Wenn Sie ein Lob mit Dank annehmen und es in allgemeinen Worten zurückgeben, haben Sie nicht nur selbst ein gutes Gefühl, sondern geben auch den anderen ein gutes Gefühl.

Manche Menschen schreiben das an sie gerichtete Lob sofort anderen zu, ohne dass sie es auf sich selbst beziehen: „Sie haben das wirklich gut gemacht.“ – „Danken Sie nicht mir, sondern denen, die den größten Teil der Arbeit geleistet haben.“

Eine solch bescheidene und zurückhaltende Reaktion verhindert, dass das konkrete Lob in allgemeinen Dankesworten zurückgegeben wird und gibt dem Lobenden sehr schnell das Gefühl der Peinlichkeit. Die beste Reaktion auf derlei Anerkennungen ist die, dass man zuerst das Lob annimmt und danach die anderen Beteiligten lobt: „Sie haben das wirklich gut gemacht.“ – „Das ist gut zu wissen. Sehen Sie, ich bin den anderen wirklich dankbar, denn sie haben auch schwer gearbeitet und damit die Sache möglich gemacht.“

Am Ende des Kapitels stellen die beiden Autoren noch folgende Frage zur Diskussion: Warum macht eine positive Rückmeldung manchmal verlegen? Meine persönliche Antwort darauf kann ich wieder in „ich bin ok – Du bist ok“ Positionen eintragen:

  • Weil nur ich weiß, dass mir dabei auch Fehler unterlaufen sind, dass ich manchmal nicht so konzentriert dabei war, dass ich öfter daran fast verzweifelt bin, …
  • Weil ich den Verdacht hege, dass das Lob nicht ehrlich gemeint sein könnte
  • Weil ich weiß, dass ich’s ganz alleine nicht bzw nicht so gut geschafft hätte
  • Weil ich diese Anerkennung von jemand anderen hören möchte

Mit anderen Worten: das Lob annehmen ist ganz klar eine „ich bin ok – Du bist ok“-Position; oder?