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Die folgenden Zeilen habe ich einem Programmheft der Josefstadt entnommen, wo der Leser ausdrücklich aufgefordert wurde, diesen Text zu verteilen.

Kay Pollak
Hör zu!

Hier ist ein anonymer Brief, den ich von einem Mann bekommen habe und gerne mit Ihnen teilen möchte.

Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören, und du beginnst mir Ratschläge zu geben,
hast du nicht getan, worum ich dich gebeten habe.
Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören, und du beginnst mir zu erklären,
warum ich nicht so fühlen sollte, wie ich es tue,
trampelst du auf meinen Gefühlen herum.
Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören, und du denkst, du müsstest etwas tun,
um mein Problem zu untersuchen, dann lässt du mich im Stich – so merkwürdig sich das auch anhören mag.
Vielleicht helfen manchen Menschen deshalb Gebete so gut,
weil Gott stumm ist, keine guten Ratschläge gibt und sich nicht einmischt.
Er hört nur zu und lässt mich selbst zurecht kommen.
Deshalb sei so nett und hör mir einfach zu. Und wenn du reden möchtest,
kannst du wohl eine Weile warten, bis du dran bist.
Dann verspreche ich, dir zuzuhören.

Anonymus