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Vor ein paar Jahren hat mir Peter Jerepp, Leiter der Lehrlingswerkstätte bei der Energie Steiermark, den folgenden Text „Was sich Kinder wünschen“ zukommen lassen; er konnte leider die Quelle nicht angeben:

Erziehungsratgeber gibt es ja in Massen. Eine International Study Group Aussendung brachte bereits im November 1963 eine „Wunschliste eines Kindes an seine Eltern“ heraus, die ich sehr lesenswert finde. Viele dieser Erziehungsratgeber lassen sich wohl in den folgenden Punkten zusammenfassen. Deshalb hier die Liste (leicht umgeschrieben):

  • Verwöhne mich nicht. Ich weiß, dass ich nicht alles haben kann, worum ich Dich bitte. Ich prüfe Dich nur.
  • Lass mir nicht alles durchgehen. Ich mag es, wenn ich weiß, woran ich bin.
  • Wende bitte keine Gewalt an. Ich könnte daraus lernen, dass man mit Gewalt das bekommt, was man will.
  • Sei nicht inkonsequent. Denn das verwirrt mich und ich versuche dann, meinen Willen durchzusetzen.
  • Mache keine Versprechungen. Denn wenn Du sie nicht einhalten kannst, verliere ich mein Vertrauen in Dir.
  • Fall nicht auf meine Provokationen herein. Ich versuche, meine Grenzen auszuloten. Fällst Du darauf herein, werde ich versuchen, meine Grenzen immer weiter auszuweiten.
  • Nimm es nicht ganz so ernst, wenn ich sage: „Ich hasse Dich!“ Ich meine es ja nicht so. Ich möchte nur, dass Du darüber nachdenkst, wieso ich das überhaupt gesagt habe.
  • Mach mich nicht kleiner, als ich bin. Sonst kann ich nicht zu einem selbstbewussten Menschen heranwachsen.
  • Tu nichts für mich, was ich selber kann. Denn sonst lerne ich nicht, selbstständig zu sein.
  • Beachte mein schlechtes Betragen nicht zu sehr. Sag mir, was nicht ok ist und sei mir ein gutes Vorbild.
  • Schimpfe mich nicht vor anderen. Du erreichst mehr, wenn wir ruhig unter vier Augen sprechen.
  • Fang nicht an, mir eine Predigt zu halten. Denn ich kann sehr wohl zwischen Recht und Unrecht unterscheiden.
  • Lass mich Fehler machen. Und gib mir nicht das Gefühl, durch meine Fehler nicht gut zu sein. Denn aus Fehlern werde ich lernen und mich weiter entwickeln.
  • Nörgle und meckere nicht ständig mit mir. Aus Selbstschutz stelle ich mich taub.
  • Verlange keine Erklärungen für mein schlechtes Benehmen. Denn mir ist oft selber nicht klar, warum ich das tue.
  • Stell meine Ehrlichkeit nicht zu sehr auf die Probe. Manchmal lüge ich aus Angst oder Verlegenheit.
  • Lass mich viele Dinge ausprobieren. Dadurch kann ich sehr viel lernen und meine Talente und Begeisterung entdecken.
  • Nimm mich nicht zu sehr vor unangenehmen Folgen in Schutz. Schließlich lerne ich so aus meinen Erfahrungen und den Konsequenzen meiner Taten.
  • Beachte meine kleinen Wehwehchen nicht. Wenn Du sie immer beachtest, lerne ich, in Krankheiten Vorteile und Ausreden zu suchen.
  • Wenn ich Fragen habe, schick mich nicht weg. Sonst frage ich nicht mehr Dich, sondern hole meine Antworten irgendwo anders.

Ich habe diesen Text allen Lehrlingsbetreuern, die ich trainieren durfte, in einer Vorabdokumentation zum geistigen Einstimmen auf’s Seminar zur Verfügung gestellt und dabei die Frage gestellt, was davon von Kindern auf Lehrlinge übernommen werden kann?

… und: Gibt es vielleicht Punkte, die sogar noch bei Erwachsenen „gültig“ sind?